Jahrhundertelang haben Wissenschaftler, Seeleute, Handwerker und Gelehrte nach Methoden gesucht, die Navigation in der Seefahrt sicherer zu machen und immer haben sie dazu die modernsten Mittel ihrer Zeit benutzt. Mit der Einführung der Satellitennavigation kam die Weiterentwicklung der Astronavigation leider völlig zum Erliegen. Wenn aktuell jemand Astronavigation als Notfall Backup benutzen will, so ist ihm das gezwungenermaßen nur mit diesem archaischen Interceptverfahren von Saint Hilaire möglich. Gleiches gilt für Segler, die nur mal aus einer Laune heraus mit einem Sextanten unterwegs sein wollen. Segeln ist nun mal eine klassische Art zu reisen und dazu passt es durchaus, mit einem Sextanten zu navigieren.
Die Computertechnik hat in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht, in der astronomischen Navigation ist sie aber nicht angekommen. Zwar gibt es zahlreiche Computer-Apps, in denen das Interceptverfahren bzw. Höhenverfahren von Saint Hilaire digitalisiert worden ist, doch das ist kein Fortschritt und schon gar keine moderne Computernavigation. Das ist Fortführen eines Provisoriums. Hätte es im 19. Jahrhundert schon Computer gegeben, dann würde es das Interceptverfahren, das damals aus der Not heraus geboren wurde, niemals gegeben haben. Lange vor Hilaire kannte man analytische Methoden, wie die geometrische Auflösung oder die Methode von Gauß. Die arbeiten präzise und sind frei von Restriktionen, dafür sind sie rechenintensiv. Doch nur das sind die richtigen Methoden, mit denen moderne Computer Navigationsverfahren entwickelt werden können, die bis auf die Benutzung eines Sextanten, so einfach sind, wie Satellitennavigation auf einem Kartenplotter.
Die neue Generation
Genau darum geht es. Astronavigation muss für alle zugänglich sein, sonst ist es ziemlich sinnlos sie immer noch als Navigations-Backup zu empfehlen. Natürlich ist die Benutzung eines Sextanten nicht ganz einfach. Dazu gehört schon etwas Übung. Wenn man es aber gelernt hat, dann ist das wie mit dem Fahrradfahren und man verlernt es nicht wieder. Doch mit dem bisher üblichen Instrumentarium, wie packenweise nautische Unterlagen, Vorlagenblätter, Leerkarten, komplizierte Formeln, Lehrgänge, Konstruktionen auf Papier und der ständigen Sorge sich verrechnet oder irgend etwas vergessen zu haben, muss Schluss sein. Es geht doch nur darum, den eigenen Standort als Schnittpunkt zweier sphärischer Kreise zu bestimmen. Im 19. Jahrhundert hatte man keine Wahl und musste diese Aufgabe umständlich und zeitaufwendig auf grafischem Wege unter Zuhilfenahme von Standlinien lösen. Wer das in unserem Zeitalter der Computertechnik immer noch so macht, der frönt dieser klassischen Methode oder kennt nichts anderes.
Moderne Astronavigation wird mit modernen Mitteln betrieben. Zur Anwendung kommen dabei Apps, vorzugsweise in einem Mobiltelefon oder Tablet. Für diese Geräte gibt es auch Hüllen zur wasserdichten und stoßsicheren Aufbewahrung, und ein Solarlader müsste auch an Bord sein. Nach mehr als drei Jahrzehnten Satellitennavigation sollte klar sein, dass die Aufgabe der Astronavigation längst nicht mehr darin besteht, die Satellitennavigation in einem Notfall vollumfänglich ersetzen zu müssen. Durch Beschränkung auf unser Hausgestirn Sonne als Navigationsstern ist sie für jeden zugänglich und damit eine wirkliche Alternative als Backup Navigation.
Natürlich kann auch das Verfahren von Saint Hilaire als Grundlage für eine Computer-App benutzt werden. Viele haben das schon gemacht. Das ist allerdings Nonsens. Warum sollte man in einem ersten Schritt umständlich zwei Standlinien berechnen und die in einem zweiten Schritt kreuzen, weil der dann auszurechnende Kreuzungspunkt in guter Annäherung den Standort liefert. Außerdem muss der eigene Standort vorher geschätzt werden und die Verwendung von Gestirnshöhen über 80° ist fehlerträchtig. Da verwendet man doch besser eine analytische Methode, so wie in der Satellitennavigation. Damit wird ein Standort aus zwei Gestirnshöhen direkt und präzise einfach nur ausgerechnet, ohne diesen vorher schätzen zu müssen. Außerdem entfallen die Restriktionen bei großen Gestirnshöhen. Das Problem ist nur, dass die analytischen Methoden, die eigentlich viel älter sind, als die St. Hilaire Methode, inzwischen vergessen wurden.
Diese WEB-Seite widmet sich der Aufgabe, diese vergessenen Methoden aus ihrem Schlaf zu holen und für die Seefahrt nutzbar zu machen. Für die Navigation mit der Sonne ist auf diesem Weg eine völlig neue Lehre entstanden, die endgültig mit allen grafischen Navigationmethoden bricht. Zu Ihrer Benutzung ist kein Spezialwissen erforderlich und so ist diese neue Navigation für jedermann zugänglich.
Der bekannte Weltumsegler Bobby Schenk beurteilt die hier vorgestellte App aus seiner Sicht. Meine Stellungnahme zu seinem Statement kann hier gelesen werden.