Die Situation

Der rasante Aufstieg der Computertechnik hat nahezu alle Bereiche unseres Lebens grundlegend verändert. Nur in der astronomischen Navigation ist davon nichts zu spüren. Da wird nach wie vor das Interceptverfahren von Saint Hilaire propagiert, das entweder in seiner Originalversion von 1875 oder mit Hilfe von Tabellen, wie den HO249- Tafeln, zu benutzen ist. Daneben existieren auch einige Computer-Apps, in denen das Interceptverfahren digitalisiert worden ist. Das ist aber kein Fortschritt und schon gar keine moderne Computernavigation. Das ist Festhalten an einer Zwischenlösung, die aus der Not heraus entstanden ist, weil es im 19. Jahrhundert keine Computer gab.

Seit Jahrzehnten verfügen wir über Computer auch in Handys und Tablets und trotzdem quälen wir uns immer noch mit diesem komplizierten Interceptverfahren in der einen oder anderen Ausführung herum. Wie kann das sein? Nach Einführung der Satellitennavigation verloren die Verwaltungen der Staaten ihr Interesse an der Astronavigation. Dieses fiel dadurch komplett in die Hände privater Initiativen und die sahen sich mit einem gewaltigen Erbe aus mehr als 100 Jahren weltweit praktizierter grafischer Astronavigation konfrontiert. Der Astronavigation verblieb zukünftig aber nur noch die Aufgabe als Notfallnavigation.

Im Anwachsen der Fahrtenseglerszene sah man ein Geschäftsmodell darin, dieses aufwendige und komplexe Navigationsverfahren gewinnbringend an den Mann oder die Frau zu bringen. Ein Beispiel dafür sind die Angebote mehr oder weniger teurer Lehrgänge zahlreicher Segelschulen, in denen die Navigation nach dem Interceptverfahren respektive Höhendifferenzverfahren vermittelt wird. Der Wunsch nach Sicherheit auf See mit einem Navigations-Backup sichert hier die Nachfrage.

Viel günstiger, nachhaltiger und sicherer ist jedoch eine Rückbesinnung auf analytische Verfahren. Wir haben nicht mehr die Not, ein grafisches Näherungsverfahren zu benutzen, wie das im 19. Jahrhundert unvermeidbar war. Es gibt auch kein Argument, die Notlösung des Saint Hilaire als Non plus ultra hinzustellen. Die Benutzung der ursprünglichen Lösung des Zwei-Höhen-Problems, beispielsweise in Form der exakten Gauß Methode von 1809, ermöglicht moderne Astro-Navigations-Apps, die bis auf die Benutzung eines Sextanten, so einfach zu handhaben sind, wie Satellitennavigation auf einem Kartenplotter. Ein Lehrgang ist da überflüssig.

Die neue Generation

Genau darum geht es. Astronavigation muss barrierefrei für alle zugänglich sein, sonst ist es Unsinn, sie immer noch als Navigations-Backup zu empfehlen. Natürlich kommt man um die Benutzung eines Sextanten in keinem Fall herum und  dazu gehört schon etwas Übung. Wenn man es erstmal gelernt hat, dann ist das wie mit dem Fahrradfahren und man verlernt es nicht wieder. Doch mit dem klassischen Instrumentarium, bestehend aus einem ganzen Stapel nautischer Unterlagen, Vorlagenblätter, Leerkarten, komplizierten Formeln, Sextantenbeschickungen, Konstruktionen auf Papier, Lehrgängen und der ständigen Sorge, trotzdem irgend etwas falsch gemacht oder vergessen zu haben, muss mal Schluss sein.

Moderne Astronavigation wird mit modernen Mitteln betrieben. Zur Anwendung kommen dabei Apps, vorzugsweise in einem Mobiltelefon oder Tablet. Für diese Geräte gibt es auch Hüllen zur wasserdichten und stoßsicheren Aufbewahrung, und ein Solarlader für das Handy sollte auch an Bord sein. Nach mehr als drei Jahrzehnten Satellitennavigation dürfte klar sein, dass die Aufgabe der Astronavigation längst nicht mehr darin besteht, die Satellitennavigation in einem Notfall vollumfänglich ersetzen zu müssen. Eine Beschränkung auf unser Hausgestirn Sonne als Navigationsstern eröffnet jedermann den Zugang zur astronomischen Navigation und ist damit eine wirkliche Alternative, wenn es beispielsweise um die Mitnahme eines Backup Systems geht.

Natürlich können auch alle Arbeitsschritte des Verfahrens von Saint Hilaire programmiert werden. Viele haben das gemacht, es ist allerdings Nonsens. Warum sollte man in einem ersten Schritt umständlich zwei Standlinien berechnen und diese in einem zweiten Schritt kreuzen, weil der dann auszurechnende Kreuzungspunkt in guter Annäherung den Standort liefert. Außerdem muss der eigene Standort vorher noch geschätzt werden und die Verwendung von Gestirnshöhen über 80° ist fehlerträchtig. Da benutzt man doch besser eine algebraische Methode, wie das in der Satellitennavigation üblich ist. Damit wird ein Standort aus zwei Gestirnshöhen direkt und präzise einfach nur ausgerechnet, ohne dass dieser vorher geschätzt werden muss. Außerdem entfallen die Restriktionen bei großen Gestirnshöhen.

Diese WEB-Seite widmet sich der Aufgabe, die vergessenen algebraischen Methoden aus ihrem Schlaf zu holen und für die Seefahrt nutzbar zu machen. Für die Navigation mit der Sonne ist auf diesem Weg eine völlig neue Lehre entstanden, die endgültig mit allen grafischen Navigationmethoden bricht. Zu Ihrer Benutzung ist kein Spezialwissen erforderlich und so ist diese neue Navigation im wahrsten Sinne kinderleicht zu benutzen und für jedermann zugänglich.

 

Wie der bekannte Weltumsegler Bobby Schenk über die Navigationsmethode von Carl Friedrich Gauß denkt und meine Gegendarstellung dazu, das erfahren Sie hier.